Dieser Artikel ist bei Golem.de erschienen und wieder einmal muss sich die Computerspieler-Szene fragen, was das eigentlich alles soll.
Es geht also um ein Verbot von WoW, weil es einerseits ein Killerspiel ist und andererseits “extreme Suchtgefahr” mit sich bringt. Aber da stellen sich mir gleich mehrere Fragen:
1.Wie legt man überhaupt fest, was ein Killerspiel ist? Wenn Blut zu sehen ist? Wenn man auf Menschen schießt? Wenn man überhaupt etwas oder jemanden tötet? Wenn dem der Fall ist, dann zählen bald alle Rollenspiele inklusive Kinderspielen wie Zelda oder auch Rune Factory: A Fantastic Harvest Moon oder auch Pikmin zu Killerspielen. Eben alles, wo dementsprechend getötet wird. Pure Absurdität wäre das sicherlich und vermutlich auch nicht so beabsichtigt. Aber wo liegen dann die Grenzen, wie klassifiziert man, wie unterscheidet man “wahre Killerspiele” von “normalen Rollenspielen”? Wie lauten überhaupt die Kriterien bei der USK-Freigabe? Entscheidet man dort nach Gutdünken (manchmal möchte ich es meinen, wenn ich höre, dass Final Fantasy als blutloses Rollenspiel als Killerspiel eingestuft wird)?
2.Wie sieht es überhaupt mit dem Verbot aus? Wird es einige Spiele zukünftig gar nicht mehr geben oder nur nicht für Jugendliche? Entzieht man Erwachsenen nicht ein Stück Eigenverantwortung, wenn man Spiele auf den Index setzt?
3.Das größte Problem sehe ich in der Begründung “extreme Suchtgefahr”. Ich will es überhaupt nicht leugnen, dass Spiele wie WoW süchtig machen können, aber ebenso wenig darf ja wohl geleugnet werden, dass alle Spiele im Prinzip dieses Merkmal aufweisen können und in gewisser Weise zumindest Rollenspiele auch dahin konzipiert werden, dass die Spieler möglichst lange bei der Sache bleiben (wenngleich Ausmaße wie bei WoW mit Add-Ons und der entsprechenden Internet-Welt, die dahinter steht, wohl meistens nicht angestrebt sind). Zumal ein solches Kriterium meiner Ansicht nach gar nicht bei der USK-Freigabe berücksichtigt werden kann, schlichtweg deshalb, weil das Testen langfristiger Auswirkungen (zu denen ich Spielsucht zähle) eine Spiele-Freigabe ja um Monate verzögern könnte, was wiederum wirtschaftliche Folgen für die produzierenden Unternehmen hätte. Mit einer Berücksichtigung dieses Kriteriums würde wiederum dem Menschen, vor allem Eltern, ein Stück Verantwortung genommen, die – und davon gehe ich aus, dass es davon doch noch reichlich auf der Welt gibt – ihren Kindern einen vernünftigen Umgang mit solchen Spielen oder auch Filmen beibringen möchten, anstatt ihnen alles zu verbieten.
Ich frage mich manchmal als “Konsolenrocker” was das alles überhaupt bewirken soll. Viele Spiele sind einfach aus dem Ausland zu importieren, wenn man denn einen Erwachsenen hat, der es für einen annimmt. Außerdem komme ich mir bei solchen Aussagen vor, als sei ich der Amokläufer von morgen, der vor seiner Konsole sitzt und brutal Menschen und Monster abschlachtet, ohne dabei noch ein Gefühl von Realität zu besitzen. Tatsächlich sind die meisten Gamer ja wohl in der Lage zu unterscheiden, was Spiel und was Realität ist. Bei allen anderen, die sich dann irgendwo hinstellen und Menschen abknallen, was wirklich furchtbar ist, sind nicht die Spiele allein schuld oder die frei zugänglichen Waffen, sondern eine kaputte Gesellschaft, die es nicht auf die Reihe kriegt, ihre eigenen Kinder vor seelischer Verwahrlosung zu schützen.
Ich kann nur hoffen, dass die Bemühungen bezüglich des Verbots scheitern werden: Zum einen wäre es von der Regierung ein harter Schlag gegen viele ihrer eigenen Bürger, zum anderen würde es den Spielemarkt wohl in eine heftige Krise befördern, wenn gerade Dauerbrenner World of Warcraft verboten werden würde.
Hier werden sonst wieder einmal alle bestraft, die verantwortungsvoll in eine andere Welt abtauchen, sich ein bißchen entspannen oder als Held fühlen wollen. So, und nun ziehe ich mich zurück, um ein gutes Buch zu lesen. Ja, das können Computer- und Videospieler auch noch, so unglaublich es auch klingen mag.