Die Rezension steht zwar schon in meinem Schreibtagebuch, aber da mir Tediam vor ein paar Jahren „Die Elfen“ von Bernhard Hennen geschenkt hatte, dachte ich, es wäre passend, hier die Rezi für den zweiten Teil rein zu stellen :) .

Elfenwinter schneidet bei mir deutlich schlechter ab als die Elfen. Das liegt zum Einen daran, dass es für mich keinen wirklichen Sympathieträger gibt, wie es mit Nuramon oder Mandred der Fall war. Alfadas aber ist nicht wie sein Vater, nicht einmal annähernd ein wahrer Fjordländer, immer hin – und hergerissen, auch zwischen den Frauen. Asla ebenso zwischen den Männern. Emerelle ist noch immer die kalte Herrscherin, die erst gegen Ende hin mal ein wenig Herz beweist. Silwyna erscheint durchgehend als undurchsichtig und ebenso kaltschnäuzig. Die Einzigen, die wenigstens etwas an wärmerer Ausstrahlung und nichts von Zwielichtigkeiten und Zweideutigkeiten an sich haben, sind Ollowain, Yilvina, Lambi und ausgerechnet auch Orgrim, einer der Rudelführer der Trolle.

Die Geschichte ist auch diesmal sicher fesselnd, aber zum Ende hin einfach unlogisch, zu schnell erzählt, wirkt wie abgebrochen. Emerelle liegt die ganze Zeit einfach wie tot da und dann im letzten Moment, wo die Schlacht eh schon verloren ist, wacht sie urplötzlich auf, opfert sich und alles war praktisch umsonst (zumindest wie es erst den Anschein hat). Später hat sie dann die Macht alles und jeden und sei es auch eine völlig zerschrammte Elfe (die nicht mal mehr eine ganze Rippe im Leib hat) oder zwei ertrunkene Kinder zu retten. Das ist wie eine Wunderwaffe oder ein strahlender Held in den Rollenspielen, der den Helden, die bis dahin gekämpft haben und nun zu scheitern drohen, doch noch hilft. Aber das macht eben keinen Spaß. Wenn untergehen, dann aber auch ehrenhaft. Man hat gerade zum Ende des Buches hin aber das Gefühl, dass die Elfen keineswegs ehrenhaft untergehen. Da wird eine ihrer letzten Bastionen eingenommen, sie fliehen, fertig. Zu ihrer nächsten Zuflucht kommen die Trolle ja nicht, so nach dem Motto. Die Menschen feiern und ziehen zurück ins Fjordland, obwohl so gut zwei Drittel von ihnen gestorben sind und der Krieg mit den Trollen noch lange nicht zuende zu sein scheint. Das fand ich besonders unlogisch und irgendwie abgehackt. Ebenso wie am Ende, als Ollowain Alfadas erklärt, er habe Asla und Kadlin nicht finden können und sie seien wohl einfach erfroren. Ist doch egal, ob wir ihre Leichen finden oder nicht. Sind sie halt gestorben, ich geb mich damit zufrieden. Aber vorher wird so oft gesagt, wie sehr er sie liebt und nun kümmert er sich nicht mehr darum, was aus ihnen geworden ist?

Gerade emotional, finde ich, hakt sie Geschichte enorm. Wo ist die wahre Liebe hin, die Farodin und Nuramon für Noroelle empfunden haben? Wo sind solche Fjordländer wie Mandred geblieben? Es gibt meiner Ansicht nach, weder diese tief empfundene, wirklich glaubhaft geschilderte Liebe in Elfenwinter, wie wir sie in „Die Elfen“ finden, noch wahre Helden. Ollowain ist der Einzige, der sein Heldentum beweist.

Sprachlich gesehen war es okay. Es ist halt Fantasy-Literatur, es ist nicht Stephen King, was will man erwarten? Allerdings fand ich es zum Ende hin eine Frechheit, dass ich fast auf jeder Seite lesen musste: „Einen Herzschlag lang“. Am Ende war mir nur noch zum Schreien zumute, wenn ich wieder auf diese immer und immer wieder abgekaute Phrase gestoßen bin. Da hätten sich die Lektoren auch was Anderes überlegen können. Es tut nicht weh, zu schreiben, eine Sekunde lang, einen Moment lang und so weiter. (Und Elfenlicht fängt genauso an, auf den ersten zwanzig Seiten schon 3 Mal Einen Herzschlag lang *ächz* ).

Mein Resultat ist, dass ich zwar Elfenlicht und vermutlich auch die Elfenritter-Trilogie lesen werde, aber ich glaube „Die Elfen“ kann Hennen nicht mehr übertreffen. Und wenn ich mir die Daten ansehe, in welcher Zeit die Elfenritter-Trilogie, man muss schon sagen, herunter geschrieben wurde (nämlich scheinbar teilweise innerhalb eines halben Jahres, zumindest sind die Nachwörter dementsprechend datiert), kann man wohl nur noch von Fließbandarbeit sprechen, was Hennen hier betreibt. Außerdem sollte man wohl darauf achten, dass man eine Geschichte nicht ins Endlose fortsetzt. Eine Trilogie, schön und gut, bei Herr der Ringe hat das ja auch wunderbar funktioniert. Aber da die Elfenritter-Trilogie sich nun mittlerweile schon um die Urenkel von Mandred drehen wird, sollte irgendwann Schluss sein.