Es ist Freitag. Es ist 13.45 Uhr. Es ist perfektes Wetter. Es ist: Görlitz :D

Ja, wie Tediam schon andeutete, bin ich wieder im trauten Heim, wenn auch leider nur bis Montag. Dennoch ist es schön, mein geliebtes, kleines Städtchen wiederzusehen. Die Bäume vor unserem Haus waren noch kahl, als ich vor einem Monat das letzte Mal hier war. Inzwischen stehen sie in voller Pracht. Großartig! Alles ist so wunderbar grün. Die Nachtluft riecht so gut, die Sonne strahlt angenehm, ein Lüftchen geht. In Görlitz ist einfach vieles besser (sicher eine subjektive Einstellung). Wenn ich könnte, würde ich hier bleiben, aber leider ist zumindest die Arbeitlosenquote hier schlechter als im restlichen Deutschland.

Nun ja, die Woche hatte wie immer ihre Höhe – und ihre Tiefpunkte. Tiefpunkt war sicherlich der Mittwoch, an dem es mir kreislauftechnisch mal wieder bescheiden ging. Allerdings hält das nie lange an und gestern ging es dann mit Tsazi im Gepäck zurück nach Hause. Ursprünglich wollten wir den Zug um halb Eins nehmen, allerdings war ich viel zu früh dran und da fuhr der Kotzzug ein. Der Kotzzug ist der IRE aus Nürnberg zur Weiterfahrt nach Dresden und der fährt zwischendurch gerade mal noch Flöha und Freiberg an. Der ist so schnell, dass es dich bei den kurvigen Schienen andauernd durch die Gegend schleudert und irgendwann wird dir dann übel, egal, was für einen starken Magen du hast. Da ich nicht mehr solange warten wollte am Bahnsteig, habe ich den Kotzzug eben auf mich genommen und es ging. Es war zu ertragen. Immerhin war ja das Tsazili dabei :) . Ach ja und der kleine Goldschatz hat gleich wieder alle Herzen erobert. Als sie dann noch in meinen Koffer geklettert ist, kam eine junge Frau einfach nicht umhin, sich mit mir über sie zu unterhalten und sie zu streicheln. Wie Tediam und ich so schön festgestellt haben, ist das der “Tsaz-Effekt” und der klappt besser als der “Axe-Effekt” :D . Unser zweiter Fahrabschnitt von Dresden nach Görlitz war dann allerdings sehr beschwerlich. Ich konnte zwar gleich umsteigen, aber die lieben Bahntechniker hatten es wieder nicht auf die Reihe bekommen, die Klimaanlage anzuschmeißen. Dort drin war es sauwarm, aber das Schlimmste war, dass man kaum atmen konnte, weil die Luft so stickig war. Neuerdings ist man in diesen Zügen ja auch zu einem langsamen Erstickungstod verdammt, weil man die Fenster nicht mehr öffnen darf. Und wenn dann die Klimaanlage nicht geht…erlebt man so was wie Tsazi und ich. Wir hatten uns auf eine große Ablagefläche gesetzt, damit Tsazi sich hinlegen und ein bißchen spazieren gehen kann. Aber die war voll in der Sonne. Mir hat die an sich nichts ausgemacht, nur die blöde Luft. Und Tsazi war auch alles andere als begeistert, denn sie hat mehrere Male das Maul aufgerissen, um zu hecheln. Kein besonders gutes Zeichen bei meiner Mietze. Zum Glück war die Fahrt nicht ganz so lang und danach haben wir meine Mama abgeholt und mussten noch warten, bis sie Feierabend hat. Da haben wir uns auf eine Bank in der Nähe gesetzt und Tsazi konnte schöne, frische Luft schnappen :) .

Soviel zu meinen Bahnerfahrungen diese Woche. Wie sah es in der Uni aus? Schockierend! Ich wurde Opfer eines fürchterlichen Skandals! Mehrmals habe ich ja schon über unser Seminar über den Konstruktivismus berichtet. Dort hatte ich ja bereits ein Referat gehalten, allerdings hatte er gleich gemeint, dass ich darauf keinen Schein erhalte. Ich möchte aber sehr gerne einen haben. Die Konsequenz daraus: Ich muss noch ein Referat halten. Am Anfang der Stunde am Montag hat er gefragt, wer den nächsten Text übernehmen möchte. Eine halbe Stunde schweigen, bis ich dachte: “So kann das nicht weitergehen.” Ich habe mich also gemeldet und er: “Wie? Schon wieder?” Ich rechtfertige mich, immerhin ist es ja seine Schuld, dass ich noch mal ein Referat halten muss (könnte mich ja auch einfach eine Hausarbeit über einen Text schreiben lassen, ohne Referat. Referatsleistung habe ich ja trotzdem erbracht). Es ergab sich dann, dass wir den Text nicht lesen, sondern einen überspringen und ich soll mir jetzt ein Referat im späteren Semesterverlauf aussuchen. Doll! Früher waren die Dozenten noch froh, wenn ihre Studenten Referate übernommen hat und ich bin die Letzte, die sich darum reißt, aber ich muss ja, wenn ich meine Hausarbeit schreiben und einen Schein kriegen will. Ist ja nicht so, dass ich einen Herrn Kommilitonen (der Akne-Freund) nachmachen würde. Mittlerweile ist es wohl soweit gekommen, dass die Dozenten die Referate lieber selber halten (bestes Beispiel ist ja auch ein anderer Prof an unserer Uni, auch über den wurde in den letzten Überblicken berichtet). Naja, aber was soll ich machen? Ich denke, ich werde ihn einfach beim nächsten Mal fragen, ob ich mir nicht einfach einen Text aussuchen und darüber eine Hausarbeit schreiben darf, ohne Referat. Da er mich da vorne nicht sehen will und ich nicht unbedingt ein Referat halten möchte, wäre das doch optimal :D .

Highlight dieser Woche ist definitiv dieser Tag. Ich genieße es einfach, hier zu sein. Bei meinen Eltern, in meinem trauten, kleinen Zuhause, in dem wunderbaren, grünen Städtchen mit der schönen Nachtluft. Hach, ich kann das nicht oft genug betonen, aber Görlitz ist einfach große Klasse :D . Ich bin ja fast froh, dass wir nicht Kulturhauptstadt geworden sind, anstatt Essen (was gar nicht besonders hübsch sein soll). Man stelle sich nur die ganzen Touristenströme vor, die dann unser Görlitz heimsuchen würden. Wenn die an den Wochenenden den Senilen mal Auslauf aus ihren Seniorenwohnheimen geben, ist das hier schon schlimm genug ;) . Aber ja, der Tag, richtig. Ich musste ja schon sehr früh zu meiner Ärztin, zur Nachuntersuchung, der Zweiten. :( Diesmal war es echt herrlich. Letztens war es schon lustig, als ich mich mit ihr darüber auseinander gesetzt habe, dass ich keine Kinder bekommen möchte und sie meinte: “Das können Sie doch jetzt noch gar nicht wissen.” Sie hat sich echt dafür eingesetzt, dass meine Gebärmutter befruchtet wird. Dabei wäre ich froh, wenn das Ding gar nicht erst da wäre, scheint ja eh nicht richtig zu funktionieren, weshalb ich ja die blöden Nebenwirkungen-Tabletten nehmen muss. Jedenfalls war sie diesmal ganz begeistert davon, dass die Tabletten so gut angeschlagen haben. Die hat sich richtig gefreut, ich dachte, die fällt mir jeden Moment um den Hals :D . Das war echt lustig, aber das lag vermutlich nur wieder an meinem charmanten Lächeln und womöglich hat es nur die kleine Hoffnung in ihr bestärkt, dass meine Gebärmutter doch noch irgendwann einsatzfähig, wenn auch ungebraucht sein wird :D . Wenigstens musste ich nicht auf den Stuhl. Teddy, schätz dich glücklich, dass du ein Mann bist *schüttelt sich*.

Ich war aber dankbar, als wir die Praxis dann verlassen durften. Meine Mama hatte mir nämlich Geld in die Hand gedrückt und gesagt: “Kauf dir Schuhe.” :D Ich lauf nämlich trotz des guten Wetters immernoch in Stiefeln herum, weil meine Halbschuhe für den Allerwertesten sind. Allerdings fangen die inzwischen inklusive meiner Füße ordentlich zu müffeln an, darum wurde es Zeit für ein Paar neue Errungenschaften. Indirekt drückte meine Mutter damit (für mich gesehen) noch etwas aus: “Falls Geld übrig bleibt, kannst du dir meinetwegen auch noch Klamotten davon kaufen.” :D Gesagt (oder indirekt angedeutet und von mir richtig interpretiert), getan :D . Erstmal auf die Post. Meine Kontoauszüge zeigen mir diesmal tatsächlich ein Plus an. Gut, es ist erst Anfang des Monats, aber mit meinem Anteil vom Kindergeld dürfte ich zumindest rein lebensmitteltechnisch klar kommen und soweit wurde auch schon alles von meinem Konto abgezogen. Kommen jetzt nur noch die Kopiekosten (Teddy, denk dran, dass du dir die Bücher vorbestellst ;) ) und die Telefonrechnung, dann habe ich am Ende des Monats endlich auch mal wieder was über, was mein Sparbuch ganz sicher gerne schlucken wird. Außerdem ist mein Sparschwein voll! Juhu und in Chemnitz lagern auch noch gut versteckte Schätze :D . Meiner Reise nach Hamburg steht also hoffentlich nichts entgegen. Gut, gut, nach dieser positiven Überraschung auf der Post sind wir dann zu Deichmann, wo ich festgestellt habe, dass mein Papa alt wird. Da hing ein riesig großes Schild mit dem berühmt-berüchtigten grünen-weißen D als Markierungspunkt draußen und mein Papa sieht es nicht. Ohje, man merkt, dass er auf die 60 zugeht. :) In Deichmann gefällt es mir aber irgendwie gar nicht. Die Verkäuferinnen waren überhaupt nicht aufmerksam. Während die an der Kasse mit uns geredet hat, hat die die ganze Zeit ihren Kollegen oder ein Baby, das mit im Laden war, angehimmelt. Ich hätte dort echt was klauen können, die hätte das gar nicht registriert. Weiber während der Brunst, denke ich da nur :D . Was soll ich sagen? Nach dem Kauf der Schühchen blieb noch Geld übrig, also sind wir selbstverständlich zu New Yorker, denn nur da führen sie meine so geliebten Smog-Klamotten. Ich gestehe, ich bin ein Umweltsünder, ich liebe Smog! Und ja, ich habe auch eine Dreiviertel-Jeans gefunden, die toll aussieht und natürlich gekauft :D . Zwar sind die dann nicht immer ganz billig, aber billiger als die ganzen Weiber-Klamotten-Läden bei uns wie Orsay oder Bonita. Da kostet schon ein Oberteil über 50 Euro und die Dinger halten wahrscheinlich nicht annähernd so lange wie meine Jeans von Smog :) . Qualität ist eben doch oft auch vom Preis abhängig und bei Jeans bin ich einfach pingelig :D . So, heute Nachmittag gehen wir dann noch eine andere Jeans kürzen (bitter nötig, jetzt, wo der Saum nicht mehr am Stiefelschaft aufliegen kann) und heute Abend gehe ich mit Ari ins Theater. In Madame Butterfly. Darauf freue ich mich doch sehr. Eine Rezi zu dem Theaterstück findet ihr auf meinem Schreibtagebuch. Ich muss auch sagen, dass das Görlitzer Ensemble mir wirklich deutlich besser gefällt als einige Gastspiele, die bei uns stattfinden. Wir haben ja scheinbar auch ein paar weitgereiste Berühmtheiten dabei. So den Amerikaner Daniel Brenna und den bei uns umjubelten Shin Taniguchi. Das letzte Mal in “Ein Maskenball” haben sie bei dem sogar “Bravo!” gerufen, was in meiner ganzen Theaterkarriere noch nie vorgekommen ist. Das heißt, wir werden uns ganz sicher auch heute Abend (denn da wird Taniguchi-san wieder auftreten) die Hände wund klatschen. Zum Glück haben wir diesmal richtig gute (wenn auch etwas teure) Plätze im ersten Rang, in der zweiten Reihe. Ich wollte schon immer mal oben sitzen und ich hoffe, dass die Sicht auch so gut ist wie der Preis teuer :D .

Jetzt werdet ihr euch (falls ihr euch bis hierher durchgekämpft habt) sicher fragen, was die Überschrift diesmal bedeutet. Lasse redn ist ein Liedtitel der Ärzte. Normalerweise bin ich kein großer Fan solch…wie soll ich es überhaupt nennen?… alternativer Musik. Es gibt sicher sehr gute Stücke von den Ärzten und dann wieder auch Sachen, die mir nicht gefallen. Lasse redn ist aber großartig und passt zu einem wirklich ergreifenden Lachanfall, den ich gestern hatte. Ich hatte ja schon einmal erzählt, dass ich Rezensionen auch bei Amazon schreibe, unter anderem auch eine über Orhan Pamuk – Die Weiße Festung. Eine Dame hatte sich bei mir über die Rezension ja schon beschwert. Aber jetzt habe ich gesehen, dass noch einer eine Rezension abgegeben hat und zwar nur, um auf meine Rezension einzugehen. Er hat so maximal 5 Wörter auf das Buch verwendet, der Rest der kurzen Rezi war darauf ausgelegt, sich darüber zu beschweren, dass man ein Buch, selbst eines von einem Nobelpreisträger, nicht nach der Sprache beurteilen darf, dass er meine Begründung absurd fände. Nun beginne ich mich langsam zu fragen, ob ich meine Rezi selbst nicht mehr richtig lesen kann, denn ich begründe meine Bewertung des Buches (die mit drei Punkten doch noch ziemlich gut ausgefallen ist) in zwei Sätzen auf den sprachlich sehr flachen Stil (wenn man da mal mit Nobelpreisträger Thomas Mann vergleicht) und den Rest der Rezi auf den Inhalt. Aber irgendwie stören sich alle daran, dass ich es gewagt habe, ein Buch nach seinem sprachlichen Stil mitzubewerten. Das ist natürlich verboten. Also ehrlich, Literatur darf man doch NIEMALS unter dem Punkt der Sprache bewerten, das wäre ja ein Frevel, der ungeheuerlich ist und unter Strafe gestellt werden sollte. Aber abgesehen von der Absurdität dieser Behauptung finde ich es einfach völlig sinnlos, in einer Rezension über ein Buch, Bezug auf eine andere Rezension zu nehmen (wenn sie nicht gerade groß und breit auf dem Buchrücken abgedruckt ist), anstatt auf das Buch einzugehen. Tediam meinte dazu, dass der Herr sich wohl einfach gekränkt fühlte, weil ich ein Buch, das er gut fand, auf ein niedrigeres Niveau gestellt habe und ich glaube, damit wird er wohl auch Recht haben. Aber beide anderen Rezensenten (ja, es gibt sage und schreibe drei Rezensionen zu diesem Buch :D ) kamen aus Bayern…nun ja, was soll man dazu noch sagen? :D Die halten sich da unten ja sowieso für die Klügsten und mich würde es nicht wundern, wenn Stoiber, trotz dem er nicht mehr Ministerpräsident ist, irgendwann sagt: “Da muss was bei der Pisa-Studie falsch gelaufen sein. Meine Bayern haben alle einen Intelligenzquotienten von 340!” Besonders genial finde ich allerdings die dritte Rezension, die sich auch schon auf meine Rezension bezog (ich fühle mich geehrt ob der vielen Aufmerksamkeit) – die aber nebenbei auch noch völlig falsch interpretiert hat – und bei der es so professionell lautet (weil er musste ja unbedingt noch Bezug auf die Sprache nehmen. Wie kann er nur?!!): “Aber der Satzbau war ganz gut.” Ehrlich, ich liege vor Lachen am Boden. Es ist immer wieder aufmunternd, so etwas zu lesen. Ich bewerte einfach aus einem subjektiven Empfinden heraus, dazu gehört für mich ein Mindestmaß an sprachlicher Gewandtheit, korrekte Grammatik (und Orthografie, aber die beziehe ich natürlich nie auf den Autor, das hängt selbstverständlich immer von den Lektoren ab) und ein spannendes und erschließbares Thema. Das alles weist das Buch von Orhan Pamuk eben nicht auf und ich möchte einfach mal mit einem dieser selbstherrlichen Kritiker reden, die das Buch als Meisterwerk preisen, als Vermittlung zwischen dem Westen und der Türkei. Aber dazu äußert sich selbstverständlich keiner. Vermutlich, weil jeder nach der Lektüre des Buches ebenso gleichgültig da saß wie ich und um kein bißchen schlauer war. Aber Hauptsache, wir können die tollen Spiegel-Literaturkritiker nachäffen, das macht uns zu Intelligenzbolzen! :D Und wie sagen die Ärzte in diesem wunderbaren Lied so schön: “Lasse redn!” :D

So, nach diesem Wochenüberblick wünsche ich euch ein wunderbares Wochenende. Genießt den freien Montag (dessen Bedeutung ich nach meiner Abwendung vom Glauben zu ignorieren suche) und lest ein paar tolle Kritiken auf Amazon! Da gibt es nämlich tatsächlich auch ein paar Gute und Hilfreiche (nicht unbedingt meine :D ). Au revoir, Robbie!