Das kann natürlich nur Order of the Stick (OotS) sein. Ich bin ein großer Fan von Rich Burlews Webcomic über eine Gruppe von Rollenspielcharaktere, die wissen, dass sie in einem Rollenspiel existieren und gespielt werden und die immer mal wieder die vierte Wand durchbrechen und darauf direkten Bezug nehmen. Rich Burlew hat damit etwas erschaffen, das nicht nur D&D persifliert, sondern auch uns Rollenspielern gelegentlich einen Spiegel vorhält. wer OotS noch nicht kennt, sollte da mal reinschauen, wobei ich vermute, dass Nicht-Rollenspieler darüber nicht so herrlich lachen können.
Die eigentlich Frage, über die sich scheinbar der Autor selbst noch nicht abschließend im Klaren ist, ist diese Tage, was mit Order of the Stick geschehen soll, wenn bei D&D im Juni die Editionen wechseln. Zur Erinnerung: OotS funktioniert seit Jahren nach der nun auslaufenden Version 3.5.
Auf seiner Webseite kündigt Rich Burlew an, dass er den Editionenwechsel nicht mitmachen wird, was aber ausdrücklich keine Absage an die Qualität der neuen Regeledition sein soll:
„I’m not making some ideological stand about how the current 3.5 Edition is superior or any such thing. I’m simply saying that there will not be a conscious and visible change in the comic strip, wherein the characters convert to a new set of rules as they did in the very first strip.“
Einerseits begrüße ich diese Entscheidung. Wie Rich Burlew selbst schreibt, würde eine Konvertierung der Figuren in eine neue Edition viele Probleme mit sich bringen, denn die Konvertierung von 3.5 zu 4E ist bestimmt radikaler als seinerzeit die Konvertierung von 3E zur 3.5 – auch die Wizards sagen ja nicht zuletzt, dass eine Konvertierung von 3.5 Charakteren zur 4E nicht problemlos möglich sei und empfehlen, die Charaktere lieber komplett neu zu erschaffen. Am Ende müssten also viel Zeit und viele Strips darauf verwendet werden, diese Konvertierung zu vollführen – Strips, die Burlew nach eigener Aussage lieber für die Entwicklung der eigentlichen Story nutzen möchte. Nicht zuletzt war eine solche Konvertierung ja am Anfang schon mal Gegenstand der Geschehnisse und man will ja auch nichts altes aufwärmen.
Dennoch ernüchtert mich diese Aussage von Rich Burlew ein bisschen. Burlew sagt es zwar nur zwischen den Zeilen, doch scheint es so, als würde das Regelwerk, dass hinter der Welt von Elan, Roy, Haley & Co. steht für die Komik des Comics stark an Bedeutung verlieren. Es macht einerseits natürlich keinen Sinn, ein Regelwerk zu persiflieren, dass nicht mehr aktuell ist. Andererseits ist es nur mit großen Anstrengungen möglich, OotS nach der 4E weiter laufen zu lassen – das käme einem Neuanfang gleich. Rich Burlew scheint hier also den einzigen gangbaren Weg zu wählen. Dennoch, für mich bestand einer der wichtigsten (und witzigsten) Aspekte des Comics immer in der Persiflierung des D&D-Regelwerks. Das hat OotS meiner Meinung nach von anderen Fantasy-Webcomics abgehoben und einzigartig gemacht und nicht zuletzt den großen erfolg in der Webcommunity ausgemacht. Allem Anschein nach wird dies in Zukunft zugunsten einer storyzentrierten Komik wohl wegfallen. Zugegeben, man hat in den vergangenen Wochen und Monaten bereits eine Entwicklung in diese Richtung bemerkt. Eigentlich schon viel länger, denn seitdem die Mitglieder vom Order of the Stick Xykons Dungeon verlassen haben, spielt die Entwicklung einer konsistenten Story, eines Roten Faden, wenn man so will, eine übergeordnete Bedeutung, während sie vorher eher Mittel zum Zweck gewesen zu sein schien. Nunja, vielleicht fällt einem irgendwann auch einfach nichts mehr in der Richtung „Regelveralberung“ ein.
Schade. Auch wenn ich OotS natürlich vorerst weiter die Treue halten werde, befürchte ich doch, dass es sich nach und nach zu einem Comic unter vielen entwickeln und seine Besonderheit mit der Zeit verlieren wird. Wir werden sehen.

Mai 25, 2008 at 9:57
Ja, ich habe über die nicht-geplante Änderung von Rich Burlew auch schon gelesen und kann seine Argumente vollkommen nachvollziehen. Allerdings sagtest du es ja schon: Erstens wäre es viel zu schwierig, die Charaktere auf die vierte Edition – die ja wirklich sehr viel Neues und vielleicht auch nicht so Tolles mit sich bringen soll – umzustellen und womöglich würde es die Leser auch verwirren, wenn man bedenkt, dass viele nicht auf die 4Edition umsteigen. Zweitens war es ganz sicher am Anfang witzig, wenn die Veränderungen vor sich gegangen sind, aber das noch einmal zu wiederholen, würde womöglich nicht einmal großartigen Spaß bringen. Was ich nicht verstehe: Warum sollte der Bezug zu einem nicht mehr verwendeten Regelsystem nicht mehr möglich sein? Vor allem deshalb, weil sicher auch ein Großteil der eingefleischten Rollenspieler nicht umsteigen wird (zumindest ist das bei meinem kleinen Besuch im Gate spürbar gewesen). Ich denke Burlew wird, trotz alledem, weiterhin seine Späßchen über die 3.5 einbauen, wenn auch nicht mehr so häufig und vielleicht, ja vielleicht wird OotS dann zu einem Webcomic wie jedem Anderen, aber ich werde es dennoch lesen, weil mir nicht etwa die Späße über die 3.5 Edition gefallen haben, sondern vor allem die Charaktere und die bleiben ja zum Glück weiterhin bestehen. Und meinen Elan kann mir keiner schlecht reden, auch wenn er nicht auf 4.0 konvertiert
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Mai 25, 2008 at 10:07
Ich denke, die 3.5 wird in einem Jahr als nicht länger vom Hersteller unterstützes und auch nicht länger beworbenes System massiv an Bedeutung in der Community verlieren. Sicher werden viele dabei bleiben – vorerst. Es gibt ja auch heute noch Runden die mit sehr viel Vergnügen AD&D oder gar OD&D (D&D 1.0) spielen, aber das sind mehr Retro-Erfahrungen als ernsthafte Rollenspielambitionen. Der Anteil der Spieler, die bei der 3.5 bleiben wird meiner Meinung nach stark überschätzt, weil viele im Moment böse über das Verhalten der Wizards sind. Wenn der Zorn aber in … sagen wir mal einem halben Jahr… erstmal verraucht ist, wird das keine Rolle mehr spielen. Viele werden die 4E trotz ihres Vorsatzes, der 3.5 die Treue zu halten, mal ausprobieren und dann auch dabei bleiben. Ferner werden Neueinsteiger die 3.5 nicht mehr kennenlernen, weil sie direkt mit der 4E einsteigen – und die Wizards zielen mit ihren Werbekampagnen ja gezielt auf Neueinsteiger ab.
Nein, ich denke Burlew tut für OotS das einzig vernünftige, wenn er den Regelaspekt weitgehend ausblendet und sich mehr auf die Story konzentriert – auch wenn ich das etwas bedaure.
Mai 25, 2008 at 10:12
Ich verstehe ohnehin nicht, warum die Wizards nochmal eine neue Edition heraus bringen. Eine Alte zu überarbeiten, okay, aber gänzlich neue Regeln einzuführen finde ich schwachsinnig und es soll ja auch teilweise Völker nicht mehr als spielbare Rassen geben, richtig? Gnome oder so was, wäre mir in Erinnerung. Aber auch da haben wir es wieder…Schnelllebigkeit, überall wo du hinguckst und das alles nur für den Profit.
Mai 25, 2008 at 10:38
Das ist schon richtig, was die Wizards da machen. Man darf bei allen Idealismus nicht vergessen, dass die Wizards nicht zuletzt auch Geld machen wollen (müssen) mit ihrem Produkt. Für die Edition 3.5 kann man nichts mehr tun. Die Absatzzahlen fallen in den Keller, was neues kann man nicht mehr entwickeln, denn es gibt irgendwie alles, und das Regelwerk hat sich über die Jahre zu einem komplexen Moloch entwickelt, der kaum noch überschaubar ist, so dass man als normaler Spieler (bzw. SL) Einschränkungen vornehmen muss, wenn man nicht komplett die Kontrolle verlieren will. Als macht man Tabula Rasa und macht alles neu – der einzig vernünftige Weg. Dass da Profitgier hintersteht würde ich jetzt nicht in der letzten Konsequenz unterschreiben. Wenn D&D nicht einen gewissen Profit abstößt, dann wird es das nicht mehr länger geben, das ist nunmal mit alen professionell entwickelten und supporteten Dingen so und das muss man wohl in Kauf nehmen.
Ach ja, Gnome kommen als Spielerrasse wieder. Sie sind nicht mehr im Grundregelwerk, das stimmt, kommen aber dann in einem der bereits jetzt geplanten Zusatzregelwerke nach.
Mai 25, 2008 at 10:41
*Kopf schüttel* Da sind wir wohl unterschiedlicher Meinung
Juni 27, 2008 at 9:21
Ich will jetzt mal nicht in die 4E 3.5 Frage einsteigen, aber Rich Burlew hat in seiner Erklärung doch ganz klar ausgedrückt, das es weiterhin Späßchen über Regeln geben wird.
Ich würd jetzt gern zitieren, aber die Seite ist irgendwie gerade nicht erreichbar.
Zumindest schreibt er doch das die Regeln für die „oots-Gruppe“ einem „hombrewed hybrid of 3.5 and 4E“ Regelwerk unterliegen werden (Aus den Gedanken zitiert). Sprich er wird vermutlich die Regeln die die Charaktere in gröbster Weise verändern würden auslassen aber ich bin sicher, das er weiterhin seine Späßchen über Kampfregeln, NPC und ähnliches machen wird. Ich kenn zwar das 4E Regelwerk nicht, aber wenn die Zauberer der Küste darin Kleriker auf einmal zum Roben tragen verdonnern würden wäre ich sicher das er Durkon nicht aus seinem Plattenpanzer schälen würde
Was aber auch immer passiert ich bin sicher Rich wird´s weiterhin schaffen uns gut zu unterhalten
Andererseits bietet die Umstellung auch guten Stoff für mehrere Späße. Zum Beispiele könnte die 3.5 oots ihre Alter-Egos aus 4E trefen oder so
Juli 7, 2008 at 10:49
So da ich gern vollständig kommentiere, hier der Auszug direkt aus der Ankündigung:
„If it really bothers anyone, simply imagine that the OOTS world follows someone’s homebrewed hybridization of 3.5 and 4th Editions, using bits and pieces from whichever ruleset they think works better.“
Juli 7, 2008 at 10:57
Ja, das schreibt er. Aber ich denke, zwischen den Zeilen kann man gut heraus lesen, dass er sich eben mehr auf die Story konzentrieren will, als auf Regelpersiflage. Zugegeben, wird es mit der Zeit auch immer schwieriger, die Regeln zu persiflieren. Daher macht Rich das ja auch schon seit längerem so, dass er sich mehr auf den Roten Faden konzentriert, als auch Situationskomik.
BTW – aber das ist nur meine bescheidene Meinung – hat OotS für meine Verhältnisse leider sehr nachgelassen. Mittlerweile lese ich nicht mehr sooo regelmäßig mit, wie früher. Kann aber auch sein, dass das an mir liegt, obwohl ich im DnD-Gate von mehreren lese, dass es ihnen ebenso geht.