…warum Homosexuelle eigentlich die CDU wählen? Ich bin heute mal wieder auf zahlreiche Blogeinträge gestolpert (ja gut, nach dem ersten habe ich gezielt gesucht), die darüber berichteten, dass vor kurzem auf der CDU-Webseite wohl ein äußerst (für die CDU) prekärer Artikel zum Thema Homo-Heilung veröffentlicht war, der dann – es ist zu vermuten, aufgrund aufgeregter Protest-Mails – eiligst entfernt wurde.
Natürlich distanziert sich die CDU von diesem Artikel, was sollte sie auch sonst tun? Allerdings soll es wohl im Zuge des Artikels eine heiße Diskussion von ängstlichen Homophoben gegeben haben. Ich kann es nicht beurteilen. Der Artikel selbst klang für mich wie einer dieser pseudo-psychologischen Ansätze, die normalerweise nur aus dem multikulturellen, aber nicht unbedingt multisexuellen (hey, das wäre doch mal eine wunderbare Wortschöpfung!) Amerika kommen.
Die Frage, die sich mir hier allerdings wieder aufwirft, ist die Frage, warum Homosexuelle die CDU wählen? Ich kann es vollkommen nachvollziehen, dass Homosexuelle christlich sind (jeder darf sich die Bibel auslegen, wie er will, machen die päpstlichen Abgeordneten ja auch). Und ich kann es auch irgendwo nachvollziehen, dass manche Homosexuelle in bestimmten politischen Hinsichten konservativ sind. Aber eine Partei, die sich eigentlich permanent (nur eben unter dem Deckmantel von „Irgendwie-Toleranz“) gegen Homosexualität ausspricht, zu wählen oder dieser sogar anzugehören, verstehe ich nicht.
Und diese Frage ist in keiner Weise ironisch oder abwertend gemeint. Es würde mich tatsächlich einmal interessieren. Leider ist mir bisher noch kein homosexueller Christdemokrat begegnet (abgesehen davon, dass es in meinem ganzen Freundeskreis keine Christdemokraten gibt). Vielleicht gibt es ja jemanden, der mir diese Frage beantworten kann.
Diskussionen bezüglich des Artikels gibt es genug, das muss hier nicht ausgetragen werden. Dazu haben andere Leute bessere (bewegendere) Artikel geschrieben. Mich interessiert wirklich nur die Frage, warum Homosexuelle die CDU wählen bzw. sich ihr anschließen. Denn das ist mir absolut unbegreiflich.
April 29, 2009 at 8:30
Ich kann dir das leider auch nicht beantworten, weil ich ja weder CDU-Wähler noch homosexuell bin. Aber ich könnte mir vorstellen, dass Homosexuelle zwar mit der Homophobie der CDU ein Problem haben, aber ansonsten mit deren Ansichten ganz gut klar kommen. Die CDU steht ja auch für einen Status Quo, auch in Sachen Homo-Gleichberechtigung, der vielen Homosexuellen vielleicht auch schon reicht, und in Kombination mit anderen politischen Zielen der CDU halten sich die Homosexuellen vielleicht dann von der CDU für am besten vertreten.
Es ist ja nun nicht so, dass die CDU Homosexualität sofort verbieten würde. Wir haben hier jetzt schon viel zu lange einen CDU-Senat aber die „Hamburger Ehe“ haben sie nicht gleich wieder abgeschafft bzw. werden es wohl auch nicht tun.
Weiterhin sollte man auch die Homosexuellen nicht unter den Tisch fallen lassen, die mit ihrer eigenen Sexualität nicht umgehen können – z.B. weil sie konservativ sozialisiert sind und sich deswegen aufgrund ihrer Homosexualität selbst für ein Mündel des Antichristen halten.
Aber wie gesagt, so richtig kann ich es auch nicht erklären, christdemokratische Homos, das erscheint schon irgendwie widersprüchlich.
So, ich arbeite jetzt an meinem DDR-Referat weiter…