Warum ich die ODEG mag

Die ODEG – die ostdeutsche Eisenbahngesellschaft – hat bei uns den Connex ersetzt und zeichnet sich durch viel Freundlichkeit, Ruhe und angenehmes Reisen aus. Nachdem ich vergangene Woche wegen einer meilenweiten Umleitung 40 Minuten zu spät den rettenden Dresdner Bahnhof erreichte und zwangsweise mehrfach umsteigen musste, wenn ich es nicht riskieren wollte, dass das Zehn-Kilo-Monster in der Tragetasche erfriert, landete ich in der ODEG-Bahn. Und was umfing mich? Ein sanfter Geruch nach Mensch, ein warmer Luftstrom und Ruhe, die die angestaute Frustration der letzten drei Stunden verfliegen ließ. Zudem mehrere Zeitungen, um mich über den Stand der Dinge ausserhalb meiner kleinen, begrenzten Welt zu informieren und ein netter Schaffner, der sein Guten Tag nicht zwischen seinen Zähnen hervor pressen und heraus knurren musste. Auch das Zehn-Kilo-Monster, vorher aufgeregt und völlig aus dem Häuschen, bereit mir an die Gurgel zu springen, schlief friedlich in ihrem Tornister ein. So sollte es immer und überall sein…

Und verzweifelte Verlage traurig finde

Aber ja, die Wirtschaftskrise hat auch vor großen Verlagen wie Rowohlt nicht halt gemacht. Da muss man dann auch einmal zu Mitteln greifen, die den Autor und den Verlag in den Dreck ziehen und die Leserschaft abwandern lässt. So jüngst die Ankündigung, dass die Weihnachtskrimi-Anthologie „Tödliche Gaben“ der neue David Hunter-Roman von Simon Beckett sein sollte, der von allen Fans begeistert erwartet wird. So sehr, dass sie das Kleingedruckte leider übersehen und das Buch ohne genauere Untersuchung in ihren Warenkorb in Amazonien gelegt haben. Doch sie sind selbst schuld, diese bösen und dummen Leser, denn es steht doch da, in großen und dann kleinen schwarzen Buchstaben auf weißem Grund: Simon Beckett…u.a. Ach, es ist schon ein Elend mit diesen Lesern. Da gestalten die das Buch in guter alter Beckett-Manier, damit die sehen, dass da auch was von ihm drin ist, und damit das Buch auch richtig gut weihnachtlich kriministalistisch aussieht und dann so was! Regen die sich auch noch auf. Es ist so traurig zu sehen, dass diese bösen Leser die Verlage – und das sooo kurz vor Weihnachten – so fertig machen.

Und so ganz fast ohne Sarkasmus

Der einzig wirklich Leidtragende – denn der böse, böse Leser kann das Buch ja an Amazon zurück schicken – ist wohl Simon Beckett, der auf die Layoutgestaltung so ziemlich gar keinen Einfluss hat und dem wohl der ein oder andere Fan davon laufen wird nach dem Fiasko. Womit sich der Kreislauf wieder schließt…

Ach, nach dieser ganzen Aufregung setz ich mich in meine ODEG, leg die Füße hoch, nehm mir ‘ne Zeitung und lass die Welt mal eine Weile an mir vorbei rauschen.