Innerhalb des Rollenspielforums „Gate“ werden auch immer wieder Hörspiele rezensiert. Obwohl ich nicht so ein großer bis gar kein Fan von Hörspielen bin, anders als Xiam, fand ich die Inhalte der rezensierten Hörspiele immer sehr interessant. Außerdem besitzt Xiam ja einen Teil der Drizzt-Reihe (oder vielleicht schon alle Teile) und so konnte ich mir das Ganze doch wenigstens schon ein Mal anhören. Drizzt ist ja nun eine Fantasy-Reihe, aber aus dem Hörspielhause LAUSCH kommen noch ganz andere Schmankerl. Am meisten fasziniert hat mich Punktown, in dessen Genuss ich allerdings noch nicht gekommen bin. Ich habe vor einiger Zeit mit Der Schwarzen Sonne begonnen. Der erste Teil war eigentlich sehr schön, wenn auch leider viel zu kurz und erinnerte mich an das Flair aus Cthulhu (vielleicht hat’s auch was damit zu tun). Jedenfalls hatte ich heute wieder eine längere Bahnfahrt vor mir und angesichts des letzten Hörspiels dachte ich, versuche ich auch gleich noch was anderes und habe mir noch drei Hörspiele herunter geladen, darunter Punktown 1 und B.Ö.S.E.

Während die meisten Hörspiele von LAUSCH recht düster angesiedelt sind, ist B.Ö.S.E. eine jener Geschichten, die einen selbst bei 20-minütiger Verspätung der Bahn noch würgen lassen (herzhaft brechen verbietet sich leider in der Bahn, wäre mir aber noch lieber gewesen).

Die beiden kleinen Dämonen Inkubus und Sukkubus sind auf dem Zentralfriedhof im Abaddon unterwegs und beschweren sich darüber, dass in der Hölle aber auch echt so gar nichts Neues passiert. Immer dieselben gepeinigten Schreie, der gleiche düstere Himmel und keinerlei Abwechslung seit unzähligen Ewigkeiten. Doch da stürzt Sukkubus in ein Loch, und landet unglücklich auf einem Spaten. Allerdings ist der Spaten nicht das, was er zu sein scheint. Sondern viel mehr eine Art Hebel, den Inkubus umlegt, als er versucht, Sukkubus zu helfen. Er kann ja nicht ahnen, was er damit anrichtet. Augenblicklich erschallt eine schreckliche schöne Musik, die die beiden Dämonen fast zum Kotzen bringt und dann erscheint sie. Sie, dessen Name in der Hölle nicht genannt darf: Feng Shui. Und mit ihr nimmt das Glück ihren Lauf. In der ganzen Hölle bricht plötzlich das Gute aus. Ein Jingle gratuliert STAN, dem Höllenfürsten himself, zum Geburtstag. Die furchtbar hässlichen Bewohner des Abaddon werden plötzlich furchtbar schön und Kali, die Göttin des Todes, verlangt, das Etwas getan werden muss, denn die Alpträume, die in der Hölle produziert werden, sind längst nicht mehr so gut, wie das, was in der Neutralen Zone so hervorgebracht wird. Judas Ischtariot muss mit seinem Fürsten STAN, oder auch Luzi Ferres, in die Neutrale Zone reisen, um IHN zu treffen und heraus zu finden, was zum STAN in der Unterwelt eigentlich los ist…

Ja, es klingt makaber und das ist es unzweifelhaft. Doch B.Ö.S.E. ist einfach nur ekelerregend widerlich schlecht! Es ist ein scheußliches kleines Werk für unterwegs, zum Kotzen! Die Sprecher sind grauenhaft, die Hintergrundgeräusche mies in Szene gesetzt, und was sollten diese dämlichen Anspielungen und die stinkenden Versuche der Hörspielmacher, sich selbst in einer Parodie unterzubringen? Also unehrlich, dieses Werk kann einen nur anwidern.

Ironie beiseite: B.Ö.S.E. überzeugt durch tolle Sprecher (auch wenn ich mich erst daran gewöhnen musste, Wilson und Cameron aus Doktor House in mehreren Rollen sprechen zu hören) und wunderschöne Hintergrundmusik. Auch wenn’s die Bewohner der Hölle zum Kotzen bringt, die kleinen Gesangseinlagen fand ich wunderbar und fast schon Ohrmadenwürdig. Hinzu kam die wirklich durchgeknallte Story und das Festhalten an den bewährten Formeln. In der Hölle war wirklich alles auf schlecht getrimmt und schlecht war gut und gut schlecht und Schlechtes gut und… naja, lassen wir das. Jedenfalls hat man hier konsequent das Rezept durchgehalten. Zum Teil mit Hilfe extremer Übertreibungen, die aber gewollt und damit schon wieder toll umgesetzt waren. Am meisten haben mich allerdings die Anleihen überzeugt. Das fängt schon bei Feng Shui an und geht über IHN hinaus. Wer IHN ist, verrate ich an der Stelle allerdings nicht.

Und wäre ich nicht in einem öffentlichen Verkehrsmittel unterwegs gewesen, ich hätte das eine oder andere Mal herzlich lachen können. So habe ich eben ein Dauergrinsen aufgesetzt und die kleine Geschichte (gefühlt: wieder viel zu kurz!!!!) einfach genossen. Hm, ich glaube Xiams Hörspielnächte und die Vorlesung meines Professor haben mir geschadet, auch wenn ich diesen Schaden nicht bereue und mir in nächster Zeit öfter ein Hörspiel in die Ohren saugen werde.

B.Ö.S.E. ist für 6,95 Euro als mp3-Download im Hörspielhause LAUSCH erhältlich.